MCs … nein, hier geht’s nicht um Sprechgesang und Hiphop, beziehungsweise nur indirekt. Dieser Artikel behandelt die Musik-Cassette. Laut Wikipedia ein „zur elektromagnetischen, analogen Aufzeichnung und Wiedergabe von Tonsignalen“ verwendetes Plastik-Teil, das ein Tonband beinhaltet. Ältere Semester erinnern sich daran, damit Musik aufgezeichnet und wiedergegeben zu haben, lange bevor es MP3s oder gar Musik-Streaming gab. Untrennbar mit der Kassette verknüpft ist der Walkman, ursprünglich von Sony und dann tausendfach kopiert und abgewandelt. Aber auch im Auto oder Zuhause wurden Kassetten gehört. Manchmal gekaufte Alben, oft oder meistens aber Aufnahmen – entweder von anderen Tonträgerformaten oder aus dem Radio – und wenn man Pech hatte inklusive der An- oder Abmoderation eines Radiomoderatoren, der über Intro oder Outro eines Songs gesprochen hatte. MCs und Tonbänder sind untrennbar mit der Geschichte des Musik-Recordings verbunden. Und es gibt viele Nischen, in denen die MC auch heute noch lebt.
Kassetten als Tonträger heute
Im kommerziellen Musikgeschäft hat sich heute Musikstreaming etabliert. In wesentlich geringerem Umfang werden Schallplatten, und in noch geringerem Umfang CDs veröffentlicht und gehandelt. Die Kassette scheint heute keine Rolle mehr zu spielen. Abseits des kommerziellen Musikgeschäfts ist sie aber nach wie vor zu finden. Gerade in Nischen-Sparten, im Punk Rock, Hip Hop oder auch in der Elektronik-Ambient Szene erfreuen sich Kassetten aber nach wie vor einer gewissen Beliebtheit. Ja, hier war die Kassette auch nie wirklich weg – ebensowenig wie die Analogfotografie. Hauptgrund hierfür dürften die geringen Kosten sein mit denen kleine Auflagen produziert werden können. Zudem hat die Kassette mehr Charme als eine digitale CD, die zwar ähnlich günstig produziert werden kann, aber der ein wenig der Kult-Status fehlt, den analoge Vinyl-Schallplatten oder eben MCs mittlerweile haben.
In all den oben erwähnten Musikgenres gibt es nach wie vor Labels, die sich auf die Produktion und den Vertrieb von Musikkassetten spezialisiert haben – oder diese zusätzlich zu Streaming oder anderen Formaten anbieten. Beispielhaft erwähnt seien hier die europäischen Labels Seil Records und Dauw – beide im Bereich der elektronischen Ambient-Musik angesiedelt. Neben Vinyl und Streaming nutzen die beiden Labels die Musikplattform bandcamp.com um auch Kassetten zu vertreiben.
Ambient ist insofern auch eine relevante Musikrichtung, weil hier die Ästhetik des Tonbandes sowohl in der Musikaufnahme selbst in Form von hörbarem Rauschen aufgenommen wird, als auch in der Musikproduktion. So werden hier alte Tape-Recorder wiederbelebt und für Audio-Aufnahmen verwendet. Es werden Effekte verwendet, die das Rauschen und die Klang-Effekte degradierter Tapes emulieren. Und nicht zuletzt werden die Tonbänder selbst zum Musikinstrument, indem sie bearbeitet, zerschnipselt und zum Beispiel zu Tape-Loops verarbeitet werden.
Tape-Loops: Tonbandschlaufen als Musikinstrument
Tape-Loops sind zu Schlaufen verbundene, meist recht kurze Tonband-Schnipsel, die im Kreis laufen. Legendär sind die Aufnahmen des US-amerikanischen Komponisten William Basinski mit dem Titel „Desintegration Loops“, auf denen er Anfang der 2000er den Verfall von Tonbandaufnahmen dokumentierte, indem er dieselben Stellen seiner Musik in solchen Tape Loops über Stunden in der Schleife abspielte. Man kann dabei hören, wie die Musik im Laufe der Zeit von Rauschen und Unterbrechungen überlagert wird und eine ganz eigene atmosphärische Stimmung mit sich bringt.
Auch viele andere Künstler der europäischen Ambient- und Elektronik-Szene setzen Tape-Loops in ihrer Musik ein, so etwa die deutschen Musiker Hainbach und Jogging House. Wer zum Beispiel Hainbach auf Instagram oder Youtube folgt, der kann diese musikalischen Experimente auch beobachten und sieht hier unter anderem auch mal meter-lange Tonbänder, die zwischen Aufnahmegeräten und diversen Alltagsgegenständen aufgespannt sein können.
MC – Quo vadis?
Man kann schon allein deshalb nicht vom Revival der Musikkassette sprechen, weil diese nie wirklich weg war. Sie war nur in Nischen zu finden, hat dort aber überdauert. Wer seine Musik auf Kassette veröffentlichen will, der findet mittlerweile einige Anbieter im europäischen Raum. Ich selbst habe gute Erfahrungen mit Monotype Pressing aus Polen gemacht, aber auch schon bei T.A.P.E. Muzik Deutschland bestellt, um nur zwei der etablierten Anbieter zu nennen. Und wer Kassetten kaufen will, tut dies am besten direkt beim Artist oder über die jeweilige Bandcamp-Webseite. Alternativ kann man auch den lokalen Plattenladen unterstützen, denn die meisten führen auch zumindest einige wenige MCs im Angebot. Und wer in Manchester, UK, vorbeikommt, der kann dort den letzten Kassetten-Recordstore besuchen: Mars Tapes.
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